Von: Karin
Simon
Date: 19.Nov.2007
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Unser wunderbarer Leonberger hat es nicht verdient, dass viele
Vertreter der Rasse ein durch Erbkrankheiten beeinträchtigtes und oft viel zu
kurzes Leben fristen. Dies steht übrigens auch im klaren Widerspruch zum
Tierschutzgedanken.
Ein Ausweg aus der Misere eröffnet sich nur, wenn alle –
Züchter, Rüdenbesitzer, Welpenkäufer, Zuchtrichter, Zuchtwarte und natürlich
zuallererst auch Vorstände radikal umdenken. Inzucht und Linienzucht, die sich
in der Entstehungsphase einer Rasse nicht umgehen lassen, führen in der
ständigen Fortsetzung bei gefestigten Rassen zu einer immer stärkeren
Einschränkung der genetischen Vielfalt und gehen mit der Zunahme von
Erbkrankheiten Hand in Hand. Dies ist wissenschaftlich seit langem bewiesen!
Die Folgen der inzuchtbedingten „Devitalisierung“ und Defektanreicherung
(durch die über viele Jahrzehnte „erfolgreich praktizierte Linienzucht“) werden
unvermeidlich die nachfolgenden Züchtergenerationen zu spüren
bekommen. Eine natürliche Auslese wie vor 100 Jahren findet
zudem aufgrund der immer besseren Aufzucht - Bedingungen und Fortschritte
in der Veterinärmedizin heute nicht mehr statt. Zur weiteren genetischen
Verarmung führen zudem überholte Zuchtpraktiken, wie wiederholter Einsatz
weniger Rüden, Wiederholungsverpaarungen und Championzucht - übrigens alles
direkte Folgen der derzeitigen Kör- und Ausstellungsreglements ! So wird
die Gesundheit und Vitalität einer ganzen Rasse dem Streben nach dem perfekten
Hund und der Gier nach schnellen Ausstellungserfolgen und Championtiteln (in der
Regel stark ingezüchtete Tiere) geopfert. Die Rechnung hierfür zahlen die
Welpenkäufer – und letzt Endes unsere Leonberger. Erbgesunde Tiere trifft man
heute nur noch bei einigen Gebrauchshunde-Rassen an, wo konsequent „Auszucht“
betrieben wird (kein Ahnenverlust in den ersten 5 Generationen) und außerdem
strenge Leistungsselektion stattfindet. Für uns muss es in erster Linie darum
gehen, die richtigen Prioritäten zu setzten und das oberste Ziel ist eine
genetisch gesündere Rassepopulation und nicht das Erreichen unrealistischer
Ziele oder kommerzielle Aspekte (Beispiel: Reglementierungen für
Deckrüdenbesitzer). Neben der Beschränkung der Deckeinsätze für den einzelnen
Rüden (und der Einschränkung von Wiederholungsverpaarungen) sollte eine Vorgabe
zum AVK 5 (mindestens über 90% - künftige Zielstellung 100%) für die Zucht im
DCLH eingeführt werden. Das ist sicher der langsamere Weg zum Erfolg, am
Ende aber der bessere. Auf den Prüfstand gehört alles, was zu einer weiteren
genetischen Verarmung und damit in der Zukunft zu noch mehr erblichen Defekten
führen könnte (Körsystem - Zuchtauflagen – Ausstellungspraxis ect). Nur
gesündere Hunde werden auch wieder mehr Abnehmer finden! Ausführlich
wird die ganze Thematik abgehandelt in „Hundezucht 2000“ von Helmut
Wachtel – eigentlich Pflichtlektüre für jeden Züchter.